Die Stadt, in der wir leben wollen
Im Rahmen des Projektes Stadtteilhistoriker der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main hatte ich im vergangenen Jahr die Möglichkeit, zu einem besonderen Ort in Frankfurt zu forschen. Für das Projekt arbeiten historisch interessierte Bürger*innen Frankfurts die Geschichten faszinierender Straßen, Viertel etc. in der Stadt auf. Dafür haben die Teilnehmenden etwas über ein Jahr Zeit, wobei die Recherchen natürlich auch danach weiterlaufen dürfen.
Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit.
Michael Ende
Zeitreise in den Winter 2022: Ich scrolle durch meinen Instagram-Feed und sehe einen Post der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt. Es ist ein Aufruf zur Bewerbung für das Stadtteilhistoriker-Projekt der Stiftung, der sich an Menschen richtet, die sich für Geschichte begeistern können. Ich verfolge an diesem Punkt schon länger die anderen Projekte der Stiftung und finde den Gedanken cool, sich mit ähnlich tickenden Menschen lokal für seine Stadt zu engagieren.
Auch wenn ich im Geschichtsunterricht während der Schulzeit oftmals hätte einschlafen können, haben mich historische Zusammenhänge doch so sehr interessiert, dass ich mich für ein Studium der Kunstgeschichte entschied. Ich denke, dass das Wie bei der Vermittlung und Weitergabe von Geschichte mindestens genau so wichtig ist wie das Was.
Nachdem ich mir für die Bewerbung einen Abend lang Zeit genommen hatte - ein kurzer Text, der die eigenen Ideen beschreibt - kam auch schon die Zusage, dass ich eine Teilnehmerin der Projektstaffel im Jahrgang 2023/2024 sein könnte. Nach dem Startschuss mit den ersten Monatstreffen, die die Stiftung organisiert, ging die Recherche los. Ausgerechnet in diesem Zeitraum erhielt ich nach einem Unfall eine gesundheitliche Diagnose, die meine Gedanken fern von ehrenamtlichen Aktivitäten hielt. Ich hatte mir viel vorgenommen und konnte zunächst nichts davon umsetzen.
Was man durch die Arbeit an ehrenamtlichen Projekten lernt:
Es gibt immer Rückschläge, sei es bei den Themen Finanzen, Kommunikation mit Ansprechparter*innen oder bei den eigenen Kapazitäten. Jeder noch so gute Projektplan kann nicht alle Eventualitäten vorhersehen und berücksichtigen. Darum ist es wichtig, Schritt für Schritt realistische Zwischenziele zu setzen, um am Ball zu bleiben.
Nur weil du engagiert bist, heißt das nicht, dass es andere auch sein wollen. Das eigene Engagement für ein Herzensthema sollte nicht davon abhängen, wie viele andere Menschen die eigene Begeisterung teilen. Man bekommt mit vielen unterschiedlichen Personengruppen zu tun, die manchmal den Enthusiasmus dämpfen können. Das ändert nichts daran, dass ehrenamtliche Arbeit unheimlich wichtig ist. Eine Welt, in der sich niemand für Dinge einsetzt, ohne eine Gegenleistung zu fordern, möchte ich mir nicht vorstellen - und du?
Nach meiner Krankheitsphase konnte ich wieder an die Arbeit gehen: Bibliotheken und Archive durchstöbern und mir kreative Inspiration für die Präsentationsform meiner Recherche holen. Ich führte Interviews, wurde interviewt und habe viel über mein Thema, die Geschichte der Niddastrasse im Frankfurter Bahnhofsviertel, gelernt. Die Ergebnisse der Recherche werden auf diesem Blog veröffentlicht und außerdem wird es eine besondere Möglichkeit geben, ein Teil des Projektes zu werden.
Falls du dich bereits ehrenamtlich einsetzt, dann kommt hier deine Runde Applaus 👏 und falls nicht, dann kannst du das ganz schnell ändern. Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft in Frankfurt hat ein breit gefächertes Programm und freut sich über helfende Hände. Und auch andere Vereine und gemeinnützige Projekte suchen nach Verstärkung. Also: Finde deine Nische und let’s volunteer!